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⌊ Est. 2011 ⌉ Willkomen im New Golden Days, ehemals bekannt als Those Golden Days. Wir nutzen historisch die Grundlage des HP-Fandoms, haben uns bewusst von der offiziellen Erzählung und deren diskriminierenden Grundhaltungen gelöst. Das Setting spielt 1997 in einer von Krieg, Chaos und Rebellion zerrütteten magischen Gesellschaft, die um Stabilität kämpft.
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Erste Schritte

Wir empfehlen den Leitfaden zu lesen. Darin haben wir alle Dinge notiert, die du für den Einstieg benötigst. Schau gerne in die Gesuche oder besuch uns doch gleich im Discord und lass dir von uns einen Charakter andrehen.


Zewdy Johnson
a person without a quote


27.05.2024, 12:59 |
#1
Zewdy Lulit Johnson
BIRTHDAY
24. Dezember 1969
AGE
27 JAHRE
BLOOD TYPE
halbblütig
ATTITUDE
frustriert
DOMICILE
London, Finsbury Park
PROFESSION
Angestellte bei Second Hand Brooms

Die 27-Jährige Hexe muss oft mehr als einmal erklären, wie man ihren Namen ausspricht. ZEWDY ist alles andere als ein geläufiger Name, nicht einmal in ihrer äthiopischen Heimat ist er das nicht. Er stammt aus dem Amarischen und bedeutet Krone. Die Frau mit dem komplizierten Vornamen ist eine ehemalige Hufflepuff. Trotz sehr guter Leistungen in ihren UTZs hat sie sich gegen eine vielversprechende Karriere im Ministerium oder im St. Mungo’s entschieden und stattdessen die vom Vater weitergegebene Faszination für Quidditch und Besenfliegen zum Beruf gemacht. Dass sie bei Second Hand Brooms arbeitet, ist eine ganz bewusste Entscheidung der jungen Frau. Besen für alle, egal ob reich oder arm, das ist ganz nach ihrem Geschmack. Zumal sie schon als Kind so oft am Besen ihres Vaters herumgewerkelt hat, natürlich unter dem aufmerksamen Blick des Besitzers, und offenbar ein Händchen für die Reparatur verkrümmter Besenstile und abgenutzter Borsten hat. Damit wird man natürlich nicht reich, weshalb sie lediglich ein Mini-Zwei-Zimmer-Reihenhäuschen im wenig luxuriösen Londoner Stadtteil FINSBURY PARK bewohnt. Mehr braucht sie allein auch nicht. Kleinigkeiten wie Hausarbeiten oder Besenreparaturen erledigt sie übrigens am liebsten ohne ihren Zauberstab, denn ihre Mutter hat Wert darauf gelegt, dass sie in STABLOSER MAGIE ausgebildet wird, wie so viele afrikanische Zauberer, die ihre Schulzeit in Uagadou absolvierten. Auch das Füttern ihrer beiden PLIMPYS erledigt sie mit links – wortwörtlich, denn Zewdy ist Linkshänderin. Ganz allein wohnt sie also nicht in ihrer Wohnung, die beiden schweigsamen Plimpys, genannt Babbitty und Rabbitty, sind immer da. Etwas stumm, aber das stört sie nicht. Ihre Frustration kommt schließlich nicht vom Alleinsein an sich, eher von den Ereignissen, die zu ihrer Einsamkeit geführt haben.

FATHER
Tafari Johnson {1944 – 1979}
Jeder, der Tafari und seine Tochter Zewdy zu seinen Lebzeiten zusammen gesehen hatte, konnte sofort sagen, dass die beiden seelenverwandt waren. Zewdy wich nur selten von seiner Seite, wenn es denn ging. Was natürlich nicht immer möglich war, denn Tafari war Quidditchprofi und konnte Zewdy nicht immer zum Training mitnehmen. Schon zu seiner Schulzeit hatte sich gezeigt, dass der hochgewachsene Äthiopier ein ausgezeichneter Hüter war. Seine Schulnoten litten durchaus etwas unter dem ständigen Training, doch weil er auch sehr intelligent war, hielt sich der Schaden in Grenzen. Tafari war der älteste Sohn der Familie und hätte eigentlich das familieneigene Unternehmen übernehmen sollen. Doch er interessierte sich kaum für die Herstellung von Muti, den typisch afrikanischen magischen Heilmittelchen. Seine Note in Kräuterkunde war die schlechteste in seinem ganzen Zeugnis, dennoch waren seine Eltern sehr enttäuscht von ihrem Ältesten und weigerten sich, Geld in seinen Berufswunsch als Quidditchspieler zu stecken. Das magere Gehalt, das er bei einem lokalen Verein verdiente, reichte kaum für eine eigene Wohnung, geschweige denn dafür, eine Familie ernähren zu können. Genau das wollte er aber tun können, als er seine Jugendliebe Desta heiratete. Diese gab schließlich seinem Drängen nach, nach England auszuwandern, wo schon ein Großonkel Tafaris wohnte. Die Erzählungen von der britischen Quidditchliga waren letztendlich zu verlockend gewesen. Sein Großonkel arbeitete im Zaubereiministerium für die Zentrale der britischen und irischen Quidditch-Liga und ließ seine Beziehungen spielen, so dass einer der Talentscouts Tafari begutachtete und tatsächlich beeindruckt war von der Schnelligkeit des hochgewachsenen Hüters. So wurde der Umzug nach England vollzogen, wo Tafari nach einem Jahr intensiven Trainings und Ersatzspieler bei den Falmouth Falcons deren Stammhüter wurde. Zewdy war bei fast jedem Spiel dabei, seit sie fünf Jahre alt war, was die intensive Verbindung zwischen Vater und Tochter noch verstärkte. Seine Ermordung bei einem Todesserangriff auf eines der Spiele im Sommer 1979 traf sie sicherlich auch deshalb so hart. Und sicher auch, weil sie bei diesem Spiel ebenfalls anwesend gewesen war.

MOTHER
Desta Johnson, geb. Tesfaye {*1945 . 52 Jahre alt}
Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, dies war auch bei Desta und Tafari der Fall. Die beiden wurden gleichzeitig in Uagadou eingeschult und wurden sehr schnell Freunde. Dabei war Tafari der abenteuerlustige, nicht immer ganz vernünftige Junge und Desta das sanfte, sensible und bedächtige Mädchen. Während Tafari seine Hausaufgaben lieber vergaß, erledigte Desta sie überaus gewissenhaft. Sie ist bis heute äußerst gewandt in der Herstellung pflanzlicher Heilmittel, insbesondere der Muti, die Tafaris Familie im eigenen Betrieb herstellte. Deshalb wurde sie schnell von den Schwiegereltern akzeptiert, als Tafari sie ihnen mit 17 Jahren zum ersten Mal als seine feste Freundin vorstellte. Die anfängliche Skepsis aufgrund Destas Muggel-Herkunft verflog schnell und die junge Frau begann bald, sich eine Zukunft mit dem Gleichaltrigen Tafari vorzustellen. Ihre Schwiegermutter bildete sie nach dem Schulabschluss aus und war begeistert von Destas Fähigkeiten. Das brachte die junge Frau in eine schwierige Situation, denn sie wusste genau, dass ihr Gatte nichts mit dem Familienbetrieb zu tun haben wollte. Sie hingegen hätte dort gern eine Rolle übernommen, die Tätigkeit passte auch gut zu ihrer heimatverbundenen Art. Dennoch stand sie Tafari letztlich nicht im Weg, als er so begeistert vom Umzug nach England sprach. Vielleicht auch deshalb, weil sie zu dem Zeitpunkt gerade ein kleines Baby hatte und erneut schwanger war. Sie hätte ja doch eine Weile nicht im Betrieb arbeiten können und wer wusste schon, ob Tafari überhaupt als Quidditchspieler in England erfolgreich sein würde. Sie freute sich über seinen Erfolg, aber sie ging in dem tristen und gefühlt ständig nebligen Land immer mehr ein und ging nur selten aus dem Haus. Nach Tafaris schockierendem Tod wurde das noch schlimmer, sie verfiel gar komplett in Schweigen. Mutismus durch ein Trauma, so nannten es die Heiler im St. Mungo’s. Nicht nur deshalb hatten sie und Zewdy immer ein eher distanziertes Verhältnis, die Tochter schlug zu sehr ihrem Vater nach und konnte mit der ruhigen Art ihrer Mutter nicht so viel anfangen. Was nicht heißt, dass sie diese jetzt nicht vermisst, nachdem Desta noch während der Hogwarts-Zeit ihrer Kinder zurück nach Äthiopien zog. Heute haben Mutter und Tochter ein ganz gutes Verhältnis, nicht zuletzt deshalb, weil Zewdy für die Vermittlung traditioneller Fähigkeiten, die ihre Mutter ihr ans Herz legte, durchaus Interesse zeigte.

BROTHERS
Lishan & Sisay Johnson {*1971 . 26 Jahre alt}
Zewdys Zwillingsbrüder Lishan und Sisay sind bis heute ein sehr wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Das würden die beiden wohl auch so unterschreiben, Zewdy übernahm schließlich nach dem Rückzug ihrer Mutter quasi diese Stellung bei ihnen, obwohl sie nur ein gutes Jahr älter war als die beiden. Auch wenn Lishan von der Art her eher nach ihrer Mutter kam und nur Sisay öfter über die Stränge schlug, war es für die große Schwester alles andere als einfach, sich um zwei 7-Jährige zu kümmern. Es wurde irgendwann selbstverständlich, dass sie für ihre Brüder zurücksteckte, in so vielen Dingen. Somit verschleierte sie auch, dass ihre Mutter kaum mehr zu etwas zu gebrauchen war. Sie schämte sich zwar nicht dafür, fand ihre Trauer berechtigt, aber sie wollte Desta nicht vor der Verwandtschaft bloßstellen. Die drei Johnson-Kinder wurden eine verschworene Gemeinschaft, die man auch in Hogwarts nicht auseinanderreißen konnte. Da tat es auch nichts zur Sache, dass Sisay in Gryffindor und Lishan in Ravenclaw landete. Bis heute hält sich die enge Beziehung, die beiden sind so etwas wie Zewdys familiärer Anker. Nach dem zweiten großen Verlust ihres Lebens hätte sie es ohne die beiden nicht geschafft. Natürlich sehen sie sich nicht so oft wie früher, beide Brüder leben mit Ehefrau bzw. einer festen Partnerin zusammen. Sisay ist als Drachenforscher ohnehin sehr viel unterwegs, während Lishan sich aktuell als Hausmann um seinen Sohn kümmert, da seine Frau als Treiberin der Holyhead Harpies nicht so lange aussetzen wollte. Es rührt Zewdy so sehr, dass sie die Patentante des einjährigen Joshua sein darf. Auch wenn es ihr manchmal das Herz bricht, wenn sie den Kleinen im Arm hält oder mit ihm spielt. Zu oft muss sie daran denken, was sie selbst hätte haben können.

EX-HUSBAND
Matthew Campbell {*1965 . 32 Jahre alt}
Wie viel sie doch von ihrem Ehemann trennte, hatte Zewdy lange nicht geahnt. Im Rückblick hätte sie es vielleicht ahnen können, aber Liebe macht bekanntlich blind. Matthew versicherte ihr auch immer mit Nachdruck, dass er ihre Meinungen schätzte, auch in Bezug auf die Entwicklung der britischen Zauberwelt. Schätzte, aber eben nicht teilte. Zewdy war überaus besorgt, musste so oft an ihren Vater denken, als die Todesser immer mehr in Erscheinung traten. Dass ihr eigener Ehemann aber zu ihnen gehörte, dieser sanfte, so ruhige Mitarbeiter der Geisterbehörde, das wäre ihr nicht im Traum eingefallen. Vielleicht doch nicht ganz so verwunderlich, wenn man bedenkt, welchen Einfluss dessen großer Bruder immer auf ihn gehabt hatte, der sich schon früh für schwarze Magie und später dann eben für die Todesser interessiert hatte. Wie wenig die Hauszuordnung über so etwas aussagt, sieht man daran, dass Matthew als Ravenclaw eigentlich zu schlau hätte sein sollen, um sich den Todessern anzuschließen. Dabei hatten er und seine Bruder mit ihrer Zugehörigkeit zum Dunklen Lord ihre Eltern ebenso vor den Kopf gestoßen wie Zewdy. Umso tragischer, dass die beiden sich beim Angriff der Todesser auf das St. Mungo’s über den Weg liefen und Matthew seinen Befehl auch dann ausführte, obwohl er seine Ehefrau damit gefährdete – und damit auch seine noch ungeborenen Kinder, denn Zewdy war zu diesem Zeitpunkt im vierten Monat mit Zwillingen schwanger. Als die Steinmauern der Abteilung, in der sich Matthew und Zewdy zu dem Zeitpunkt befanden, zusammenstürzten, wurde ein Fluch eines anderen Todesserkollegen fehlgeleitet und traf Matthew. Eine gerechte Strafe? Zewdy findet das bis heute nicht. Schließlich hatte Matthew nicht einmal jetzt genug Anstand gehabt, einfach so zu sterben, stattdessen liegt er seither im Koma. Wieso er leben darf, ihre beiden Kinder den Aufprall der Steine aber nicht überlebten, ist eine Frage, die sie bis heute umtreibt. Gerechtigkeit ist das nicht. Wenigstens gelang es ihr, auch ohne Matthews Zustimmung die Scheidung zu erreichen, weshalb sie heute wieder Johnson und nicht mehr Campbell heißt.

OTHER RELATIVES
Nahe Verwandte hat Zewdy außer ihren beiden Brüdern und der Mutter keine mehr, jedenfalls niemanden, der ihr nahestehen würde. Die Familie JOHNSON bietet noch einige Verwandte, wie zum Beispiel den in England lebenden Großonkel und dessen Kinder, eine Tochter – Angelina - davon übrigens ebenso quidditchbegeistert wie so viele in der Familie. Der Zweig, der noch in Äthiopien wohnt, ist Zewdy nicht komplett fremd, aber so oft sieht sie ihre Großeltern väterlicherseits nun auch nicht. Etwas häufiger ist das bei den Eltern ihrer Mutter der Fall, da ihre Mutter wieder bei der Familie TESFAYE eingezogen ist. Am ehesten noch hängt Zewdy an Großvater Tesfaye, wie sie ihn zur Unterscheidung als Kind immer nannte. Ein Name, der geblieben ist, und den alten Mann jedes Mal lächeln lässt.

your characteristics
"TO BE HONEST: WE'RE ALL COMPLETELY MAD HERE. I THINK WE ALL WOULD NEED A THERAPIST. ESPECIALLY HARRY POTTER AND DUMBLEDORE. BUT ENOUGH OF THEM - LIE DOWN ON OUR COUCH AND TELL US SOMETHING ABOUT YOUR CRAZY HABITS."

Von der lebenslustigen Hufflepuff-Schülerin, die so hartnäckig an Gerechtigkeit in der Welt glaubte, ist heute nicht viel übriggeblieben. Zewdy findet, dass sie früher reichlich naiv gewesen war, obwohl ihr schon der frühe Schicksalsschlag in ihrem Leben hätte zeigen müssen, dass die Welt eben nicht gut war und sich nicht alles von alleine regeln würde. Wenn man etwas ändern will, darf man nicht einfach mit einem freundlichen Lächeln durch die Welt gehen und allen mit Nettigkeiten begegnen. Zewdy hat lange geglaubt, dass sie mit einem positiven Verhalten andere verändern kann. Das mag bei manchen Personen funktionieren, aber nicht bei jenen, die den Ton angeben oder die sich von einem überschwänglichen „Guten Morgen“ nicht aufmuntern oder blenden lassen. Es hat fast 28 Jahre gebraucht, bis die junge Hexe begreifen konnte, dass die heile Welt ihrer Träume nicht über Nacht einfach entstehen würde. Ganz im Gegenteil, scheint sie doch im Moment eher in einen Abgrund zu stürzen, jedenfalls aus ihrer Perspektive. Der Verlust geliebter Familienmitglieder und die Befürchtung, noch mehr zu verlieren, ist ihre größte Angst. Doch sie hat Zewdy nur kurze Zeit in Apathie versetzt, aus der sie um so stärker zurückgekehrt ist. Ihre Hartnäckigkeit hat sie nicht verloren, eher noch ausgebaut. So sehr, dass man heute eher von Verbissenheit sprechen sollte, einem Ehrgeiz, der nicht mehr wirklich gesund ist. Zewdy kümmert das nicht, sie ist hart und bitter geworden, seit ihr größter Wunsch von ihrem Ex-Mann beendet wurde. Denn sie hatte sich nichts sehnlicher gewünscht, eine eigene Familie zu gründen, ihre Zwillinge aufwachsen zu sehen.

All das hat sich zerschlagen, und zwar mit einer solchen Wucht, dass es eine extreme Verschiebung ihrer Persönlichkeit zur Folge hatte. Nicht der kompletten Charakteristiken, eher einer Radikalisierung jener. Schon zu Schulzeiten hatte sie Verantwortungsbewusstsein bewiesen und sich als Vertrauensschülerin für die Belange ihrer Mitschüler eingesetzt. Auch jetzt will sie das tun, aber dabei ist ihr jedes Mittel recht, um eine gerechte Welt zu errichten. Mit der Einschränkung, dass jene keinen Platz darin verdienen, die sich dieser entgegenstellen. Sie war schon immer loyal, auch ihren Prinzipien gegenüber, was sich jetzt darin zeigt, dass sie ihre Prinzipien als absolut setzt. Ihr ist irgendwo bewusst, dass sie damit ihre tolerante Art von früher aufgegeben hat, die ihr sehr viel bedeutet hat. Doch ihre Bitterkeit hat sie zu der Erkenntnis veranlasst, dass man mit Kompromissen nichts erreicht, höchstens eine Verzögerung oder Aufweichung eines ungenügenden Zustands. Ganz oder gar nicht. So könnte man ihre aktuelle Haltung bezeichnen, die bis zur Selbstaufgabe geht. Dieser Wesenszug ist neu, Fatalismus war vor einigen Jahren noch nicht bei ihr zu beobachten. Doch Zewdy glaubt, dass sie nichts mehr zu verlieren hat. Sie hat schließlich schon alles verloren, was es zu verlieren gibt, nicht wahr? Ihre Brüder sind alt genug, um auf sich selbst aufzupassen. Lange genug hat sie auf deren Bedenken Rücksicht genommen, hat schon seit einer Weile mit ihnen darüber gesprochen, dass sie gerne dem Phönixorden beitreten würde, aber immer auf deren Sorge um sie gehört. Jetzt findet sie keine Argumente mehr, weshalb sie nicht mehr für ihre Werte einstehen soll, koste es, was es wolle. Ihre Entschlossenheit half ihr dabei, den Verlust ihrer beiden Sternenkinder hinzunehmen, allerdings nicht vollständig zu verarbeiten. Sie gestattet sich ihre Trauer im Moment nicht, fokussiert sich auf das, was in ihren Augen wichtig ist.

Auch für Außenstehende hat sie sich verändert, aber die meisten glauben, es sei dem Trauerprozess geschuldet, dass Zewdy kaum mehr lächelt. Ihrer Arbeit geht sie immerhin weiterhin gewissenhaft nach, gerade mit Kindern geht sie nach wie überaus liebevoll um, vielleicht mit einem wehmütigen Zug um die Lippen. Ein Zeichen dafür, dass sie sich vielleicht gar nicht so sehr verändert hat, zeigen ihre ähnlich gebliebenen Vorlieben. Würde man ihr heute einen Amortentia-Trank brauen, würde dieser nach wie vor nach Besenwachs, Ylang Ylang – wichtigster Bestandteil ihres Lieblingsparfums – und Sega Wat duften. Besonders letzteres, ein traditioneller äthiopischer Eintopf mit Rind, zeigt ihre Verbundenheit mit Heimat und Familie. Fraglich, ob sie im Extremfall ihre neuen Grundsätze oder doch die alten Prioritäten nach vorne stellen würde. Extremismus liegt eigentlich so gar nicht in der Familie, an was ihr Vater sie mit dem üblich tadelnden Tonfall erinnern würde. Aber ihr Vater ist eben nicht mehr da und Zewdy hat das Gefühl, durch den zusätzlichen aktuellen Verlust allen Halt verloren zu haben. Seit der Ermordung ihres Vaters war sie grundsätzlich erst einmal misstrauisch gegenüber neuen Bekanntschaften, aber doch noch offen genug, so dass sie zu Schulzeiten viele Freundschaften hatte, einige davon hielten darüber hinaus. Jetzt ist ihr Misstrauen zu einer ausgewachsenen Skepsis geworden. Sie hält private Details zurück, ebenso Emotionen, wenn möglich. Ihr Gesicht ist deshalb oft ernst und bemüht kontrolliert, nur im Kreise ihrer Brüder oder Gleichgesinnter bricht hin und wieder ihr Temperament durch. Und damit vor allem eine Emotion, die ihr Handeln aktuell prägt: ihr unbändiger Zorn.

your magical timeline
"I REALLY DO HATE HISTORY OF MAGIC. BUT WE CAN'T LEAVE OUT THAT PART - SO BORE ME WITH YOUR 'MAGICAL HISTORY'."

Belay Zeleke Road . Bahir Dar . Äthiopien {1969 & 1970}
Eines der ersten Geräusche, die das erste Kind der Familie Johnson an Heiligabend zu hören bekam, war das leise, aber stetige Rauschen der Wellen des Tanasees. An dessen Ufer, in einer der größten Städte Äthiopiens, stand das kleine Haus des Ehepaars Tafari und Desta Johnson, die gerade bei Einbruch der Dunkelheit endlich ihr erstes Kind in den Armen hielten. Ein paar Schrecksekunden lang hatte das kleine Mädchen keinen Ton von sich gegeben, so dass die Wellen in dieser angespannten Stille ohrenbetäubend laut klangen. Endlich entfalteten sich die Lungen des Neugeborenen und die ersehnten Laute drangen durch die Tür des Schlafzimmers in das einzig andere Zimmer des Hauses, das gleichzeitig als Wohnzimmer und Küche diente. Freudiges Rufen der dort versammelten Familie ließ Desta und Tafari lächeln. Das Weinen des Mädchens, das den Namen Zewdy erhielt, endete glücklicherweise bald und so konnte sie bald auch von den vielen Verwandten begrüßt werden ohne zu begreifen, was überhaupt passierte. Als endlich Ruhe eingekehrt war und sie zwischen ihren Eltern im Bett langsam einschlummerte, verstand sie natürlich noch nicht, was ihr Vater meinte, als er sagte, sie sei ein kleines Weihnachtswunder. Sie fühlte aber sehr wohl, weil sie ihren Eltern willkommen war. Auch wenn sich diese in den ersten Monaten nach ihrer Geburt mit der schwerwiegenden Entscheidung beschäftigen mussten, ob sie ihre äthiopische Heimat verlassen sollten oder nicht. Zewdy verschlief die Diskussionen fast jedes Mal, sie war ohnehin ein sehr ruhiges Baby, das quasi nur aufwachte, um gestillt zu werden. So bekam sie wenig von ihrem Heimatland mit, nahm dennoch so viel der Gerüche auf, dass sie diese für immer mit einem guten Gefühl verbinden würde. Auch wenn sie schließlich, mit gerade einmal neun Monaten, das kleine Haus in der Straße direkt am See für immer mit ihren Eltern in Richtung Großbritannien verlassen würde.

Swanpool Road . Falmouth . England {1970-1982]
Das Rauschen der Wellen war ein Geräusch, das Zewdys Leben weiterhin prägen sollte. Kaum in England angekommen, zogen sie in ein kleines Apartment in Falmouth, das immerhin schon drei Zimmer besaß, eins davon ein eigenes Badezimmer, und von dessen großem Fenster im Wohnzimmer man direkt auf die zugehörige Bucht im Ärmelkanal blicken konnte. Es beruhigte sie und sie blieb eine ruhige Schläferin, auch wenn sich um sie herum vieles tat. Ihre Mutter hatte kurz vor der Abreise aus Äthiopien bemerkt, dass sie wieder schwanger war, auch die ersten Monate ihres Vaters waren turbulent. Tafari wurde für seine Hartnäckigkeit und sein Talent belohnt, als er einen festen Platz in der Mannschaft der Falmouth Falcons bekam. Zu diesem Zeitpunkt hatte Zewdy mit ihren Brüdern Lishan und Sisay Geschwister bekommen, Zwillinge, die ihre Mutter sehr auf Trab hielten. Zewdy, selbst gerade zwei Jahre alt geworden, war von Anfang an ganz vernarrt in die beiden, auch wenn sich das ein oder andere Mal auch ein Gefühl von Eifersucht einstellte. Dennoch rauften sich die drei letztlich zusammen, was vor allem ihre Mutter erleichterte, die den ganzen Tag mit den Kindern zuhause war. Tafari hatte mithilfe eines befreundeten Magier noch ein Kinderzimmer zur Wohnung ergänzt, so dass die drei Kinder nicht bei den Eltern schlafen mussten. Desta fühlte sich in England nicht sehr wohl und es kostete sie schon Überwindung, mit der Familie einen Spaziergang am Strand zu wagen. War Tafari einmal nicht beim Training oder einem Quidditchspiel, sah man die Kinder meist nur mit dem Vater draußen, Desta vermied auch in Anwesenheit ihres Gatten größere Ausflüge. Sie hatte die Entscheidung ihres Mannes akzeptiert, aber dennoch war sie nicht glücklich damit. Zuhause kochte sie fast ausschließlich Gerichte aus ihrer Heimat, so dass Zewdy und ihre Brüder diesen Teil der äthiopischen Kultur sehr gut kennen, besonders Zewdy liebt das Essen ihrer Heimat sehr. Auch ihre Mutter liebt sie, allerdings begann sie sich spätestens mit ihrer Einschulung in die örtliche Grundschule zu fragen, weshalb ihre Mutter so selten nach draußen ging. Sie selbst sog alle neuen Eindrücke in sich auf wie ein Schwamm und gewann mit ihrer Art schnell neue Freunde. Außerdem bettelte sie so lange ihren Vater an, einmal zum Quidditch mitgehen zu dürfen, dass er schließlich nachgab. Anfangs saß Zewdy noch mit ihrem Großonkel auf der Tribüne, doch bald schon fühlte sie sich so wohl im Stadion, dass sie alleine zu den Spielen ging. Tafaris Teamkollegen bezeichneten sie bald als Glücksbringer und Zewdy verfolgte jedes Spiel mit leuchtenden Augen.

So fand auch ihr erstes magisches Erlebnis dort statt. Es war das perfekte Spiel ihres Vaters, bei dem er es bis zum Fangen des Goldenen Schnatzes nach exakt 37 Minuten schaffte, kein einziges Tor der gegnerischen Appleby Arrows zuzulassen. Zewdy war zu diesem Zeitpunkt sieben Jahre alt und in ihrem Freudentaumel veranstaltete sie um sich herum ein unfreiwilliges Feuerwerk. Dieses setzte zwar dummerweise ihren eigenen Umhang in Brand, aber dank der Hilfe der Umstehenden war er schnell gelöscht. Leider verbindet Zewdy neben der vielen Augenblicken der Freude auch eine ihrer düstersten Erinnerungen mit dem Quidditchstadion in Falmouth. Denn im Spätsommer 1979, wenige Monate vor ihrem 10. Geburtstag, griff eine kleine Gruppe Todesser das laufende Spiel an. Grund dafür war wohl eine Äußerung des Trainers der Falcons, der sich offen gegen den Aufstieg jenes schwarzen Magiers ausgesprochen hatte, dem die Todesser unterstanden. Es kam nie heraus, ob der Dunkle Lord selbst den Angriff befohlen hatte oder ob es eine Art Selbstjustiz der sechs Todesser gewesen war. Letztlich spielt das auch keine Rolle, jedenfalls nicht für Zewdy. Sie konnte nur hilflos mitansehen, wie drei der Gestalten auf den Trainer zugingen und ihr Vater den Versuch unternahm, sich schützend vor ihn zu stellen. Er hatte keine Chance und war das erste Todesopfer dieses tragischen Vorfalls. Zewdy kann nicht sagen, wie sie an diesem Tag nach Hause kam, ihre Mutter erzählte ihr später, dass sie nur geschrien hatte und sich gar nicht beruhigen wollte. Nachdem sie die Nacht durchgeweint hatte und mit blutunterlaufenen Augen am nächsten Morgen zum Rest der Familie ging, umarmte ihre Mutter sie so fest, dass sie glaubte, ihr würden alle Knochen brechen. Das war dann für lange Zeit der letzte Beweis von Zuneigung. Desta drückte auch ihre Söhne, bevor sie im Schlafzimmer verschwand und für viele Wochen nicht mehr herauskommen sollte. Zewdy war hochgradig irritiert, als ihr das auffiel. Anfangs hatten sich noch Verwandte um die Kinder gekümmert, doch niemand ahnte, dass sich die Mutter komplett zurückziehen würde. So übernahm Zewdy zwangsläufig die Mutterrolle, sorgte dafür, dass ihre Brüder und sie am Morgen rechtzeitig in die Schule kamen und genug zu Essen im Schulranzen steckte. Sie war es auch, die mit ihnen die Hausaufgaben erledigte, einkaufen ging, kochte, die Wohnung mehr schlecht als recht sauber hielt und dabei automatisch viel zu schnell erwachsen wurde.

Hogwarts . Schottland {1982-1989}
Als Zewdy pünktlich für die Einschulung 1981 ihren Hogwartsbrief bekam, brach sie in Tränen aus. Einerseits aus Erleichterung, andererseits aus Panik. Denn wer sollte sich um Lishan und Sisay kümmern, wenn sie in Hogwarts war? Ihre Mutter war zwar mittlerweile wieder hin und wieder außerhalb des Schlafzimmers anzutreffen, aber bis auf seltene Abende, an denen sie kochte, schaffte sie es in ihrer unbewältigten Trauer nach wie vor nicht, für ihre Kinder zu sorgen. Außerdem hatte sie seit Tafaris Ermordung kein Wort mehr gesprochen, was Zewdy so unheimlich war, dass sie insgeheim ganz froh war, wenn ihre Mutter sich ins Schlafzimmer verkroch. Und nun? Die einzige Option war eigentlich, dass Desta mit ihren Kindern zu den Großeltern nach Äthiopien zog, aber das wollte Zewdy auf keinen Fall. Immerhin war es in England gerade sicher geworden, nachdem der Der-dessen-Namen-nicht-genannt-werden-darf so überraschend von der Bildfläche verschwunden war. In ihrer Heimat aber gab es immer noch eine Militärdiktatur und einen nicht enden wollenden Bürgerkrieg, der zwar vor allem unter Muggeln ausgetragen wurde, aber dennoch konnte keine Sicherheit für Magier gewährleistet werden. Nach langem Hin und Her wurde schließlich erlaubt, dass Zewdy noch ein Jahr zuhause bleiben durfte, um dann im folgenden Schuljahr gemeinsam mit ihren Brüdern nach Hogwarts zu gehen. Deshalb kam sie erst im September 1982 in Hogwarts an, wo sie nach Hufflepuff eingeteilt wurde. Zu Beginn fühlte sie sich dort verloren, weil weder Lishan noch Sisay ebenfalls ins Haus der Dachse gekommen waren, doch sie fand auch jetzt wieder sehr schnell Freunde und vergaß ihre Einsamkeit bald. Im Unterricht war sie ganz gut, ohne sehr viel dafür zu tun müssen, wenn sie auch nicht überragend gute Noten hatte. Zewdy fand das gar nicht schlimm, sie genoss die Zeit mit ihren Freundinnen und Freunden.

Zum ersten Mal seit langem fühlte sie sich sehr wohl, weil sie nur für sich verantwortlich war. Das Essen kam bei jeder Mahlzeit von selbst auf den Tisch, sie musste nichts putzen und auch ihre Brüder waren bestens versorgt. Zewdy merkte erst jetzt, wie sie unter den vielen Aufgaben der letzten Jahre gelitten hatte, und sie blühte regelrecht auf. Es bedrückte sie zwar, dass ihre Mutter 1984 doch zurück nach Äthiopien zog, doch sie war ohnehin nur in den Ferien dort und fühlte sich in diesen wenigen Wochen auch bald sehr wohl in ihrem Ursprungsland. Doch als Heimat hätte sie zu der Zeit definitiv immer Hogwarts bezeichnet. Es zeigte sich bald, dass sie vor allem in Zaubertränke und Verteidigung gegen die dunklen Künste begabt war. Außerhalb der Schulzeiten wurde sie von ihrer Mutter und deren Eltern auch in stabloser Magie unterrichtet, eine Fähigkeit, die in Hogwarts nicht auf dem Lehrplan stand. Immer mehr begeisterte sie sich auch für die afrikanischen Heilzauber, genannt Muti, auch wenn sie darin nie so versiert wurde wie ihre Mutter oder die Großeltern väterlicherseits. Aber immerhin mehr als ihr Vater, der dafür kein Talent gehabt hatte. Dessen Talent für Quidditch hatte er im Übrigen an Zewdy weitergegeben, zumindest einen Teil davon. Die junge Hexe wurde ab dem vierten Schuljahr ins Quiddichteam aufgenommen, sie spielte dort ganz ordentlich auf der Position eines Jägers. Ihre verantwortungsbewusste und gleichzeitig soziale Ader brachte ihr ab dem 5. Schuljahr den Status einer Vertrauensschülerin ein, den sie immer für andere einzusetzen versuchte und nicht zum eigenen Vorteil. Nebenbei trat sie in diesem Jahr auch dem Duellierclub bei, um ihre Verteidigungszauber noch mehr zu trainieren. Dank ihrer vielen anderen Aktivitäten fiel es ihr manchmal schwer, sich im letzten Schuljahr auf ihre UTZs zu konzentrieren. Dennoch erreichte sie in ihren beiden Lieblingsfächern und Kräuterkunde ein Erwartungen übertroffen, während sie in Verwandlung und Geschichte der Zauberei ein Annehmbar auf ihrem Zeugnis lesen konnte. Zewdy war damit auch zufrieden, wollte sich auch gar nicht erst mit ihrem Bruder Lishan messen, der vier Mal die Bestnote bekommen hatte. Sisay hingegen war wohl froh, dass er kein einziges Mies in seinen UTZs hatte. Das Ende der Schulzeit machte Zewdy allerdings etwas Sorge. Denn auch wenn sie in einer recht friedvolle, englische Zauberwelt aus Hogwarts entlassen wurden, würde sie seit 18 Jahren zum ersten Mal ihre Brüder nicht im Blick haben können. Denn weder würde sie Sisay in die Drachenforschung folgen, noch Lishan ins Zaubereiministerium.

Rover Way . Cardiff . Wales {1989-1993}
Auch wenn Zewdy in Hogwarts relativ erfolgreich als Jägerin für das Quidditchteam der Dachse unterwegs gewesen war, war ihr schon immer klar gewesen, dass sie kein Profi werden konnte wie ihr Vater. Doch sie wollte unbedingt etwas beruflich machen, das Besen beinhaltete. Eher zufällig stieß sie im Tagespropheten auf eine Anzeige der Besenfirma des Magiers Devlin Whitehorn. Es gab sie schon eine Weile, aber erst mit der Nimbus-Serie hatte sie sich einen Namen gemacht und kam mit der Produktion nicht mehr richtig hinterher, die Nachfrage stieg beständig. Zewdy war sich nicht sicher, ob sie wirklich Rennbesen bauen konnte. Doch ihre Brüder bestärkten sie, hatten sie doch im Kindesalter mitbekommen, wie oft ihre Schwester mit dem Vater an dessen Besen herumgewerkelt hatte. Also gab sich die junge Hexe einen Ruck und bewarb sich für eine Ausbildung in der Firma. Es kränkte sie, dass ihr der ziemlich chauvinistische Personalchef nicht zutraute, Rennbesen herzustellen, doch auch mangels einer Alternative nahm sie die Position im Vertrieb an. Dort kam sie auch immer wieder mit Reklamationen in Kontakt, die sie immer an die Entwicklungsabteilung weiterleiten musste, die damit aber nicht wirklich hinterherkam. Irgendwann schnappte sie sich einen Nimbus und korrigierte die falsch sitzenden Borsten kurzerhand selbst. Offenbar so gut, dass sich der Besitzer mit einem überschwänglichen Brief bedankte, den ihr Abteilungsleiter mit einem süffisanten Grinsen dem Personalchef hinlegte. Zähneknirschend stimmte dieser zu, dass Zewdy die Abteilung wechseln durfte. Nach einer Ausbildung in der Produktion konnte sie sogar einige Zeit bei der Entwicklung neuer Rennbesen mithelfen und war maßgeblich an den Verbesserungen beteiligt, die den Nimbus 2001 von seinem Vorgänger unterschieden.

Zewdy gefiel es in der Firma anfangs sehr, sie verlegte für ihre Arbeit sogar ihren Wohnsitz nach Wales in deren Nähe. Natürlich in eine kleine Wohnung in der Nähe der Küste, ohne das Meeresrauschen konnte sie sich einfach nicht wohlfühlen. Bei der Arbeit lief alles eine Weile wirklich gut, doch als die Konkurrenz mit dem Feuerblitz immer intensiver wurde, nahm sie auch die Schattenseiten eines in der freien Wirtschaft agierenden Unternehmens wahr. Der Ton wurde rauer, die Anforderungen an die Entwickler härter und ihr Vorschlag, mehr in neuartige Borstenarten zu investieren, wurde abgeschmettert. Es traf sie, auch wenn es sie sicherlich härter getroffen hätte, wäre ihr nicht Matthew Campbell über den Weg gelaufen. Der Angestellte in der Geisterbehörde war eigentlich nur auf das Fabrikgelände gekommen, um einen penetranten Poltergeist einzufangen, der sich im Herbst 1991 in einem der Gebäude eingenistet hatte. Der Zufall wollte es, dass er direkt in Zewdys Abteilung sein Unwesen trieb. Aus einem anfangs rein geschäftlichen Gespräch entwickelte sich eine Zuneigung, die die beiden jungen Zauberer dazu veranlasste, sich einige Tage später wiederzusehen. Diesem Treffen folgten viele weitere und Zewdy begriff bald, dass sie sich gerade Hals über Kopf verliebte. Matthew war weitaus besonnener als sie und dennoch war er es, der ihr schließlich einige Monate als Erster gestand, dass er ebenso fühlte. Das junge Paar verbrachte sehr viel Zeit miteinander und Zewdys Frust über ihren Job fand in der Beziehung einen guten Ausgleich. Sie waren ein sehr harmonisches Paar, dass sich selten ernsthaft stritt und sich oft einig war, was alles natürlich einfacher machte. Nur mit Matthews Bruder, der hin und wieder mit ihnen gemeinsam Veranstaltungen besuchte, kam Zewdy nicht so gut klar. Das lag vor allem daran, dass Matthew in seiner Gegenwart immer anders wurde, als müsse er sich ständig vor dem großen Bruder beweisen. Doch sie tat das ab, sie wollte schließlich nicht mit dem Bruder, sondern mit Matthew zusammen sein. Ihm ging es offensichtlich ähnlich, so beschlossen die beiden zusammenzuziehen.

Castle Court . London . England {1993-1996}
Es kostete Zewdy einige Überwindung, ihre Wohnung in Cardiff aufzugeben. Dabei war es nur logisch, dass sie zu ihrem Freund zog, schließlich war seine Wohnung deutlich größer als die der Beseningenieurin. Nur hatte sie einen Makel: sie lag so gar nicht am Wasser. Nicht einmal ein Brunnen plätscherte in der Nähe des großen Gebäudes, unter deren Dach sie beide gemeinsam wohnten. Zewdy wollte das aber nicht als schlechtes Omen begreifen, war das nicht doch nur eine Kleinigkeit? Im Nachhinein wusste sie, dass sie auf ihr Gefühl hätte hören müssen. Doch sie schob ihr leichtes Unwohlsein auf die allgemeine, aufkeimende Verunsicherung, die viele Magier erfasste. Schließlich war im Sommer 1993 der scheinbare Verbrecher Sirius Black entkommen und man fürchtete um die Sicherheit der lange Zeit heilen Welt im magischen Großbritannien. Noch gab Zewdy nicht so viel darauf, sie war auch viel zu sehr mit ihren Problemen bei der Arbeit beschäftigt. Es betrübte sie, dass sich die Stimmung bei „Nimbus Rennbesen“ immer weiter verschlechterte. Es wurde Zeit für einen Neuanfang. Nur wo? Sie entdeckte die Antwort, als ihr Großonkel mit einem Besen ankam, den er seiner Tochter Angelina schenken wollte, bevor sie mit dem Hogwarts-Express ins neue Schuljahr starten würde, nur leider stimmte mit der Krümmung des Besenstils etwas nicht. Dummerweise kam er damit am Samstag Abend vor dessen Abfahrt. Ein Jahr zuvor hätte Zewdy den Besen einfach kurz mit in die Firma genommen und mit dem nötigen Werkzeug dort repariert, doch die Regeln waren streng geworden und aus Angst vor Spionage durfte das Gelände außerhalb der Geschäftszeiten nicht mehr betreten werden. Also hastete sie in die Winkelgasse. Bei Qualität für Quidditch wies man sie ziemlich arrogant ab, so kurz vor Ladenschluss habe man keine Zeit für so etwas. Bei Broomstix wollte sie nach dieser Erfahrung gar nicht erst anklopfen. Blieb noch das Geschäft für gebrauchte Besen.

Als Zewdy vorsichtig die Tür unter dem etwas wackligen Schild mit der Aufschrift „Second Hand Brooms“ aufstieß, wurde sie sofort freundlich von dem uralt wirkenden Besitzer begrüßt. Radulf Rutherford freute sich augenscheinlich über die Kundschaft, erst recht, als er bemerkte, wie viel sie von Besen verstand. Der Besen war nach nur fünf Minuten repariert, dennoch blieb Zewdy bis weit nach Ladenschluss in dem kleinen Geschäft, fachsimpelte mit dem alten, etwas kauzig wirkenden Herren über alles Mögliche und brachte gleich noch drei der am meisten ramponierten Besen im Angebot so weit in Ordnung, dass sie immerhin wieder geradeaus fliegen konnten. Erst als es draußen dunkel wurde, wollte sie sich verabschieden, doch auf der Türschwelle hielt Rutherford sie mit der Bemerkung zurück, dass er eigentlich dringend jemanden wie sie brauchen könnte, um dem Laden neuen Schwung zu geben. Zewdy verstand das als Wink des Schicksals und am Montag kündigte sie bei ihrem bisherigen Arbeitgeber, um bei dem schrulligen Alten als Verkäuferin anzufangen. Matthew war nur mäßig begeistert, immerhin war der Job ebenso mäßig bezahlt, ganz anders als ihre Anstellung bei der Rennbesen-Firma. Aber es dauerte nicht lange, bis er die Glückseligkeit bemerkte, mit der Zewdy jedes Mal abends nach Hause kam, und er gab seinen Widerstand schnell auf. Wenn überhaupt, dann verliebte er sich durch die neue Fröhlichkeit noch mehr in diese junge Frau und am Abend vor dem Weihnachtsfest – und damit auch an ihrem 24. Geburtstag – machte er ihr einen Heiratsantrag, den sie freudestrahlend annahm. Im Spätsommer 1994 heirateten sie und Zewdy hatte das Gefühl, dass alles für diesen einen Augenblick perfekt war.

Und dann war dieser Augenblick vorbei. Schon kurz vor ihrer Hochzeit waren einige merkwürdige Morde bekannt geworden, doch noch ging man nicht von besonderen Umständen aus. Erst als im Sommer 1995, direkt nach dem tragischen Ausgang des Trimagischen Turniers, immer mehr Gerüchte um eine Rückkehr des Dunklen Lords aufkamen und auch noch verurteilte Todesser aus Askaban ausbrachen, wurde Zewdy mulmig zumute. Dass Hogsmeade an Halloween desselben Jahres angegriffen wurde, nahm sie persönlich mit, sie hatte schließlich wie viele andere schöne Wochenenden dort verbracht. Sie sprach mit ihrem Mann darüber, der zwar Mitgefühl zeigte, die Ereignisse aber dennoch verharmloste. Zewdy wurde nachdenklich und beschloss, dass sie sich vermutlich wirklich zu viele Sorgen machte. Ihr Alltag ging unverändert weiter, doch die Ereignisse nahmen zu. Die junge Hexe versuchte sich dadurch zu beruhigen, dass es ihr selbst gut ging und sie glaubte ihrem Mann, dass sie nichts zu befürchten hatten. Hätte sie den Grund für dessen Zuversicht geahnt, sie wäre erst recht besorgt gewesen. Und sie hätte sich nicht so gefreut, als sie im Juni 1996 bemerkte, dass sie schwanger war. Auch Matthew war unendlich froh darüber und fand, dass sie sich eine Auszeit gönnen sollte, weil ihr häufiger übel war am Morgen. Vielleicht genau am 20. Juni? Sie hätte skeptisch werden müssen, aber sie vertraute ihm bedingungslos und sah keinen Zusammenhang darin, dass genau an diesem Tag jemand in der Winkelgasse ermordet wurde, während sie sich zuhause erholte. Sie war überaus erleichtert, dass ihr Chef am nächsten Morgen gesund im Geschäft stand. So gesund, wie es mit 97 Jahren eben ging.

Zewdy hatte nicht vor, sich wegen ihrer Schwangerschaft mehr als nötig zu schonen, nachdem die Übelkeit fast exakt mit dem Ende des 3. Monats aufhörte. Ihr ging es verhältnismäßig gut, also stand sie jeden Tag so munter im Laden, wie es die sich verdüsternde Lage zuließ. Als sie aber am 22. August über seltsame Unterleibsschmerzen klagte, schloss Rutherford kurzentschlossen das Geschäft und begleitete sie ins St. Mungo’s. Am liebsten wäre Zewdy mit Matthew gegangen, aber er hatte ihr erzählt, dass er an diesem Tag einen bedeutenden Termin hatte. Sie hatte angenommen, dass es ein wichtiges Meeting in der Geisterbehörde sei, bei dem sie ihn sicherlich nicht stören wollte. Im St. Mungo’s stellten die Heiler fest, dass ihre Schmerzen davon kamen, dass sich gleich zwei kleine Bauchzwerge in ihr breitmachten und Platz einforderten. Die junge Hexe strahlte vor Freude, auch wenn sie durchaus Respekt vor der zweifachen Aufgabe hatte, die sich da ankündigte. Doch mit ihrem Mann würde sie alles meistern, da war sie sich sicher. Bis sie ihn im Gang des St. Mungo’s entdeckte. Sie alle waren wenige Augenblicke zuvor aufgeschreckt, weil Explosionen zu hören waren und schwarz gewandete Magier sich in allen Stockwerken des Krankenhauses ausbreiteten, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Zewdy war froh, dass sie ihren Chef zurück ins Geschäft geschickt hatte, als sie gut im St. Mungo’s angekommen war, so blieb ihm das Chaos erspart. Ihr aber nicht. Besonders nicht der Anblick ihres Ehemannes. Natürlich trug er die Todessermaske, aber sie erkannte ihn an der Stimme, mit der er einem anderen Todesser antwortete. Eindeutig sein Bruder. Wie versteinert blieb sie in dem Gang stehen, unfähig, auch nur einen Schritt vor den anderen zu setzen oder sich auch nur zu verteidigen. Ihr Schwager hatte für ihre Anwesenheit nur ein hämisches Lachen übrig und befand lautstark, dass Matthew jetzt die Chance hatte zu beweisen, ob er wirklich loyal zu seinem Herrn stehen würde. Das Letzte, an was sich Zewdy erinnerte, war ein roter Strahl aus Matthews Zauberstab, der das Gewölbe direkt über ihr zum Einsturz brachte.

Carlisle Road . London . England {1996 – jetzt}
Als Zewdy wieder aufwachte, war es Anfang September. Die Heiler erzählten ihr, dass sie sich in einem äußerst kritischen Zustand befunden hatte, da einer der großen Mauersteine direkt auf ihren Kopf gestürzt war, restliche auf ihren ganzen Körper. Sie hatten sie glücklicherweise schnell geborgen. Ihre Hände waren fest um ihren Bauch geschlungen, als könnte sie ihre ungeborenen Kinder beschützen. Vergeblich. Sie hatte sie verloren. Zewdy driftete in eine Art Trance ab, der Verlust war zu schrecklich, um ihn zu verarbeiten. Zumal noch dazu kam, dass sie ihre ungeborenen Kinder durch den unfassbaren Verrat ihres eigenen Ehemanns nicht mehr unter dem Herzen trug. Es war zu viel. Ihre Brüder besuchten sie regelmäßig, sogar ihre Mutter reiste aus Äthiopien an. Sie war es, die Zewdy letztlich aus ihrer Lethargie riss, denn durch ihre reine Präsenz erinnerte ihre Mutter sie daran, dass es nichts brachte, nach einem tragischen Verlust ins Nichtstun zu verfallen. Sie raffte sich also auf und besuchte den Mann, den sie geliebt hatte. Wie sie war auch er im St. Mungo’s als Patient, doch im Vergleich zu ihr war er noch nicht aus dem Koma aufgewacht. Ein fehlgeleiteter Fluch eines Todesserkollegen, wie man ihr erklärte. Zewdy stand nach außen hin erstaunlich gefühlskalt an dem Bett und rang den Impuls nieder, das Kissen unter seinem Kopf herauszuziehen und zu beenden, was dieser Fluch nicht geschafft hatte. Aber sie wollte nicht zulassen, dass er auch noch für ihre Verhaftung verantwortlich wäre. Die Wut half dabei, ihre Resignation zu überwinden, und Mitte Oktober wurde sie endlich aus dem Krankenhaus entlassen. Zurück in ihrer gemeinsamen Wohnung merkte sie schnell, dass sie hier nicht bleiben konnte. Sie packte alle ihre Sachen zusammen und zog bei ihrem Bruder Sisay ein, der sowieso selten in seiner Wohnung war, da er als Drachenforscher viel unterwegs war.

Von dort aus suchte sie sich eine neue Bleibe, hatte immerhin ein gewisses Budget, nachdem sie Matthews Wohnung verkauft hatte. Sie wurde im Stadtbezirk Finsbury Park fündig, wo sie noch heute eine sehr kleine Doppelhaushälfte bewohnt, in der gerade Platz ist für ein Wohnzimmer mit Küche im unteren Stock und im Dach ein Schlafzimmer und ein sehr kleines Badezimmer. Doch das wichtigste ist: wenn sie die Fenster in Richtung der vierspurigen Bahnstrecke öffnet, die direkt hinter dem Häuschen verläuft, dann sieht sie auf den Park, dem das Viertel seinen Namen verdankt. Durch einen Zauber, der die Zuggeräusche aussperrt, hört sie das leise Plätschern des Ententeichs inmitten des Parks, und das reicht an manch schlimmen Tagen, damit sie nicht völlig den Verstand verliert. Sie stürzte sich wieder in ihre Arbeit, kaum dass der Umzug erledigt war, und verbringt noch mehr Stunden in dem Geschäft als zuvor. Nicht zuletzt deshalb, weil ihr betagter Chef immer seniler wird und sie deshalb auch Aufgaben wie die Buchhaltung übernehmen muss. Die Geschehnisse um sie herum versuchte sie eine Weile auszublenden, so gut es ging, sie gab nicht einmal ihre Stimme ab, als ein neuer Minister gewählt wurde. Die junge Hexe war genug mit ihren einen Problemen beschäftigt, sie reichten ihr vollkommen. Besonders die stillen Nächte machen ihr zu schaffen, in denen sie sich lange in den Schlaf weinen musste. Nicht einmal der Angriff auf den Zirkus und die folgende Übernahme eines ganzen Stadtteils durch die Todesser rissen sie aus ihrer Abschottung. Erst, als sie an jenem ersten Juli-Sonntag gemeinsam mit ihrem Bruder Lishan und dessen Familie bei einem Familienspaziergang von zwei Dementoren überrascht wurde, wurde sie unweigerlich in die Realität zurückgeholt. Sie konnte nicht einmal einen Patronus beschwören, hatte es nie gelernt, doch glücklicherweise hatte Lishan diesen Zauber als Mitarbeiter der Strafverfolgungszentrale beherrscht und sie alle damit gerettet. Zewdy begriff, dass sie sich nicht ewig den Geschehnissen verschließen konnte, die sie selbst so wütend machten. Sie bettelte Lishan an, der ihr schließlich den Patronus-Zauber beibrachte, bis sie einen silber schimmernden Ibis aus ihrer Zauberstabspitze erzeugen konnte. Die Ereignisse des Sommers, allen voran die Ermordung Dumbledores, schürten ihren Zorn nur weiter. Wie konnten es die Todesser wagen, immer mehr Unschuldige in Gefahr zu bringen? Und wieso tat das Ministerium nichts? Gab es niemanden, der sich ihnen entgegenstellen wollte? Ihre Trauer schlug endgültig in unbändige Wut um und sie findet, dass es Zeit ist, dass sie aktiv Position bezieht. Nur wie, das ist ihr noch nicht klar. Sie weiß nur, dass allein mit Worten und netten Gesten niemandem geholfen werden wird.



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